Multikulturelles Teneriffa: Der Akzent der Kanarios

veröffenlicht am 25.05.2020

Wenn man einen Kanario fragt, welche Sprache er spricht, dann kann es sein, dass seine Antwort Kanarisch lauten wird und nicht Spanisch. Schließlich wird im Baskenland Baskisch, in Katalonien Katalan und in Galizien Gallego gesprochen. Nun, ganz so ernst meinen die Kanarios das nicht. Denn Kanarisch ist keine eigenständige Sprache, wie die oben genannten, sondern eine Variation des Spanischen. Warum also dieser Scherz? Die Antwort liegt an der Andersartigkeit des Kanarischen Akzents im Gegensatz zu den Dialekten des Festlands. Doch was sind die linguistischen Besonderheiten, wie sind diese entstanden und welche sind die wichtigsten Wörter, die ich kennen muss, um wie ein Einheimischer zu klingen? Diese Fragen werden in diesem Blogartikel beantwortet. Viel Spaß 

Spanisch eine Weltsprache mit vielen Akzenten

Das Spanische ist nach dem Chinesischen, die meistgesprochenste Sprache der Welt. Der Sprachraum erstreckt sich sich über die iberische Halbinsel Südeuropas bis auf den süd- und nordamerikanischen Kontinent. Diese räumliche Spaltung spiegelt auch die linguistische Trennung des Spanischen wider. Auf der einen Seite werden [S] und [Z] Laute unterschiedlich ausgesprochen und auf der anderen Seite gibt es die gleiche Aussprache beider Laute. Die erste Variante ist in Nord und Zentralspanien zu finden und wird umgangssprachlich auch als Ceceo bezeichnet. Die zweite Variante findet man in einigen Teilen Andalusiens, Lateinamerika und den kanarischen Inseln und wird Seseo genannt. Was macht den kanarische Akzent nun so anders, wenn auch in Sevilla, der Hauptstadt Andalusiens und damit auf dem Festland der Seseo benutzt wird? Es gibt noch einen einen weiteren Unterschied im Kanarischen: die Verwendung des eigentlich formalen zweiten Personalpronomens ustedes anstatt des informellen vosotros. Dieser Unterschied in der Grammatik ist auch in allen Lateinamerikanischen Versionen des Spanischen zu finden. Die Kanarios sprechen also mehr wie Südamerikaner, als ihre Sprachgenossen vom Festland. Der Grund dafür liegt in der geschichtlichen Bedeutung des Archipels. 

Die Geschichte des kanarischen Akzents  

Die Geschichte des kanarischen Akzents beginnt mit der Besetzung der Inseln durch die spanische Krone im 15. Jahrhundert. Diese nutzte die geografische Lage, um einen letzten spanischen Stützpunkt in der Nähe des europäischen Kontinents für die Reisen in die neue Welt zu schaffen. Und das neue Land zu bewirtschaften, da diese Expeditionen von Andalusien aus starteten, waren die ersten Siedler aus Südspanien, welche wie oben bereits erwähnt, den Seseo benutzen. Die Funktion der Inseln als Umschlagplatz des europäischen Handels mit Südamerika einerseits, aber auch Hunger und Armut durch Naturkatastrophen und Kriege andererseits, führte immer wieder zu Ein- und Auswanderungswellen in die karibischen Länder und Inseln. Dieser stete Austausch wirkte sich auch auf die Sprechweise auf den kanarischen Inseln aus. Die letzte große Auswanderungswelle der Kanarios nach Südamerika fand in den 1950er Jahren statt. Es trieb die Auswandernden in Hoffnung auf ein besseres Leben in das vielversprechende, neureiche Venezuela. Seit den 1990er Jahren findet eine Rückwanderung dieser Nachkommen statt. Somit finden auch neue Wörter und Redensarten ihren Weg auf die Inseln und damit in den Sprachgebrauch der Kanarios, bis heute.

Kanarische Wörter oder Redensarten, die du auf 

jeden Fall kennen musst!

Guiri oder Choni 

Das Wort Guiri kommt ursprünglich aus dem Baskenland und bedeutet Tourist. Es wird in ganz Spanien benutzt. Das Wort Choni  kommt vom englischen Namen Johnny und ist eine Anspielung auf die vielen englischen Touristen

Guagua 

Auf den Kanarischen Inseln fährt kein Autobus, sondern eine Guagua - So werden die grünen Busse auf Teneriffa genannt. Der Ursprung dieses Wortes ist bis heute unklar, aber es wird vermutet, dass es aus dem englischen Wort Wagon abgeleitet wurde und von den kanarischen Rückkehrern aus Kuba mitgebracht wurde.

Papas 

Im Spanischen gibt es zwei Wörter für Kartoffeln, nämlich patatas und papas. Auf den Kanaren und in Südamerika wird zweiteres benutzt. Wer eine Portion Pommes essen möchte, sollte also papas fritas.

Agüita

Wortwörtlich bedeutet agüita kleines Wasser. Es wird als Ausdruck der Überraschung oder Verwunderung genutzt. Es kann auch vorkommen, dass es benutzt wird, um seine Bewunderung über etwas mitzuteilen. 

Calufa und Calima 

Das Wort Calufa wird benutzt, um die unerträgliche Hitze auszudrücken, also wenn die Calima kommt. Calima ist heißer Saharawind, welcher über den Ozean weht.

Canelo 

Auf den kanarischen Inseln wird anstatt marron (spanisch für braun) gesagt, dass etwa Canelo ist, also die Farbe von Zimt hat

Chozo 

Wer auf Teneriffa in sein Zuhause einkehren möchte, geht zurück in sein Chozo. 

Fos 

Fos ist ein Ausdruck von Ekel. Ausgesprochen wird es in etwa “Foh”. Je länger es ausgesprochen wird, umso ekliger ist etwas.

Jugo 

Jugo ist das spanische Wort für Saft aus organischen Produkten, wie zum Beispiel Fruchtsaft. Der fertig produzierte Saft zum Trinken wird auf dem Festland Zumo genannt Auf Teneriffa wird kein Unterschied gemacht. Wer einen Organschaft haben möchte, bestellt also einen Jugo de Naranja.

Mandarse a mudar oder mandate a mudar 

Diese Redewendung bedeutet wortwörtlich “sich selber umziehen schicken” oder jemand anderen zum umziehen schicken. Hiermit möchte jemand entweder ankündigen, dass er oder sie nun gehen wird oder eine andere Person auffordern, zu gehen. Wenn also jemand zu ruft “mandate a mudar” sollte man der dieser Aufforderung wahrscheinlich nachkommen und besser gehen. 

Pelete / hace pelete 

Wenn ein Kanario hace pelete sagt, dann möchte er damit ausdrücken, dass es kalt ist.

Cholas 

Die Flipflops sind auf den kanarischen Inseln das ganze Jahr über zu sehen. Um nicht wie ein Tourist zu klingen, sollte man sie als Cholas bezeichnen und nicht wie vielleicht in der Schule gelernt, chanclas. 

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-Jennifer Cano

 

 

 

 

 
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