Multikulturelles Teneriffa: Arepas, Vaina und Salsa. Venezuela und die Kanarischen Inseln

veröffenlicht am 07.08.2020

Im zweiten Teil unserer Serie “Multikulturelles Teneriffa” stellen wir euch einen der prägendsten Einflüsse der Insel vor: Venezuela, das Land an der karibischen Küste Südamerikas. In diesem Blogartikel gehen wir auf die Geschichte der Beziehung zwischen Teneriffa und Venezuela und dessen Auswirkungen auf die Kultur der Insel ein, und zeigen euch natūrlich auch die kulinarischen Highlights. Am Ende des Artikels findet ihr ein Rezept für Arepas. Los geht's! 

Venezuela -  die achte Kanarische Insel 

Bevor die Insel La Graciosa neben Lanzarote offiziell zur achten Insel des kanarischen Archipels wurde, sprachen viele Kanarios diesen Titel Venezuela zu. Der Grund sind die vielen Auswanderer, vor allem aus Teneriffa, die an diesem Ort eine neue Heimat fanden. Heutzutage hat fast jeder Venezolaner Verwandte auf den Kanaren und anders herum. 

Die ersten Auswanderungen in die neuen spanischen Kolonien fanden um 1670 statt und wurden durch die spanische Krone aktiv gefördert. Viele Kanarios siedelten sich in der Hauptstadt Caracas an, da in diesem Gebiet viele Arbeiter in der Landwirtschaft benötigt wurden, um Kakao an- und abzubauen. Die Isleños, so wurden kanarischen Siedler und deren Nachfolger von anderen Teilen der Venezuelas genannt stellten einen großen Teil der Bevölkerung dar. Im Laufe der Jahrhunderte wanderten ganze Dörfer wie, zum Beispiel El Sauzal, Buenavista del Norte oder Vilaflor aus den Bergen der Insel aus, um sich ein besseres Leben aufzubauen. Die letzten großen Auswanderungswellen fanden in den 1950er und 1970er Jahren statt. Die Kanarischen Inseln hatte es nach dem spanischen Bürgerkrieg und der darauffolgenden Militärdiktatur Francos besonders hart getroffen. Erneut sahen viele Tinerfeños die einzige Möglichkeit der Armut zu entfliehen in der Auswanderung. Diese war auf legale Weise in der Diktatur kaum möglich, weswegen ca. 60.000 Personen mit kleinen Fischerbooten, den sogenannten Geisterschiffen, über den Atlantik reisten. Seit den 1990er Jahren treten viele Venezolaner mit und ohne kanarische Wurzeln die Reise in die andere Richtung an. Mit im Gepäck sind Erinnerungen, neue Hoffnung, Heimweh, aber auch: die Kultur.  

Du bist, was du isst. Oder: die (Ess)-Kultur Venezuelas auf Teneriffa 

Jeder Expat oder Personen, die eine Weile im Ausland verbracht haben, werden es bestätigen können: neben den Freunden und der Familie wird am häufigsten das Essen von zu Hause vermisst. Den Tausenden von Venezolanern auf Teneriffa geht es genauso. Im Laufe der Jahre und mit steigendem Bevölkerungsanteil führt dies natürlich auch zu einer Nachfrage der gewohnten Produkte aus der Heimat. So gibt  es inzwischen spezialisierte venezolanische Supermärkte. Die am häufigsten genutzten Lebensmittel gibt es auch in den spanischen Supermarktketten zu kaufen, wie z.B Mercadona oder Hiperdino. Die Einflüsse Venezuelas enden jedoch nicht beim Essen. Auch in den Sprachgebrauch schleichen sich Wörter ein, wie Vaina (auf deutsch bedeutet das in etwa soviel wie “dingsda”). Ein weiterer unmittelbarer Einfluss ist natürlich auch die Musik - Ob bei einem Familientreffen am Strand oder bei einem Stadtteilfest: Salsa, Cumbia oder Merengue dürfen nicht fehlen. Das erfolgreichste venezolanische Produkt auf Teneriffa sind jedoch unbestreitbar Arepas, handliche frittiert oder gebratene gefüllte Maistaschen. Diese haben sich fest in der kanarischen Küche etabliert und werden auch von den Kanarios zu Hause gegessen. Der Grund der Beliebtheit auch unter den Tinerfenños sind die unendlichen Möglichkeiten diese zu befüllen und jede Diät, sei es vegan, vegetarisch oder mit Fisch und Fleisch kann bedient werden. Eine Arepa ist schnell gemacht und ein echtes Soulfood. Für den Abschluss dieses Artikels findet ihr ein Rezept für Arepas mit Reina Pepiada. Viel Spaß beim Kochen und Guten Hunger!! 

AREPAS REINA PEPIADA REZEPT 

Zutaten für den Teig:

2 Tassen Arepa Mehl

4 Tassen lauwarmes Wasser 

1 Teelöffel Salz 

Zubereitung der Masse: 

  1. Fülle das Wasser und das Salz in eine Schüssel.

  2. Gebe etwas Mehl hinzu und rühre es mit einem Löffel und einer Gabel ein.  

  3. Sobald die Masse eine festere Konsistenz erreicht, benutze die Hände, um sie weiter zu formen. Knete die Masse von außen nach innen. Füge nun unter stetigem Kneten das Mehl hinzu, bis keines mehr übrig ist. Die Masse ist fertig, sobald diese nicht mehr an den Händen klebt. 

  4. Wasche dir nun die Hände und fang an, aus der hergestellten Masse mittelgroße Kugeln zu formen. Danach müssen diese platt gedrückt werden, sodass der entstehende Kreis in etwa eine Dicke von 1,5cm hat. 

  5. Gebe etwas Öl in eine Pfanne, damit die Arepas beim Braten nicht kleben bleiben. 

  6. Brate die Arepa nun nacheinander bei mittlerer Hitze, bis diese goldbraun sind. 

  7. Decke diese auf einem Teller mit einem Tuch zu, damit sie warm bleiben. 

Zutaten für die Füllung: 

400g Hähnchenfleisch 

2 Knoblauchzehen

1 mittelgroße Zwiebel  

1 reife Avocado 

3 Esslöffel Mayonnaise 

25ml Olivenöl 

Salz und Pfeffer nach Geschmack

Zubereitung für die Füllung. 

  1. Schneide das Fleisch in Streifen oder kleine Würfel, genauso die Zwiebel und den Knoblauch. 

  2. Gebe Öl in eine Pfanne und brate zunächst die Zwiebeln und den Knoblauch an. Sobald diese blanchiert sind, gebe das Fleisch hinzu. 

  3. Schäle in der Zwischenzeit die Avocado und schneide diese in Stücke und gebe sie in eine Schale. 

  4. Sobald das Fleisch gar ist, gebe ebenfalls dieses in die Schale. 

  5. Vermische alles, bis ein einheitlicher Brei entsteht.. Hinweis: Eine Reife Avocado sollte durch die Hitze geschmolzen sein. 

  6. Als letztes füge die Mayonnaise hinzu und mische diese unter. 

Fertig! Schneide als letztes die Arepa wie ein Brot auf und streiche den Aufstrich darauf. Guten Appetit!  

-Jennifer Cano

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