Verlassene Höhlen in der südlichen Wüste

Teneriffa entdecken: Höhlenwohnungen aus Urzeiten

Auf Teneriffa haben die Hügel Augen: Zahlreiche Höhlen aus der Zeit der Ureinwohner haben überlebt und säumen die ruralen Gebiete der Insel. Von ganzen Dörfern bis abgelegenen Ein-Zimmer-Höhlen in der Wüste entführt die Kanareninsel auf eine Reise in die Vergangenheit. 

Chinamada, das Höhlendorf

Das wohl bekannteste Höhlendorf befindet sich im Anaga-Gebirge. Der Osten bildet den ursprünglichsten Ort der Insel - die Ureinwohner überlebten durch das Gebirgswasser und der Landwirtschaft in dieser grünen Oase. Aufgeschichtete Beet-Terrassen den Bergrücken entlang bilden noch heute die Grundlage für den Anbau von Gemüse. Einzelne Häuser und Dörfer sind spärlich über die große Fläche des Gebirges gesprenkelt, damalige Handelsrouten wurden zu Wanderwegen durch die teils regenwaldartige Natur.

Abseits der Lorbeerwälder auf einem höheren Fleckchen liegt Chinimada. Die einst von den Ureinwohnern, 'Guanchen', bewohnten Höhlen sind dort in den Berg gehauen. Diese bewohnten die Kanaren bis zur Eroberung durch die Spanier im 15. Jahrhundert und waren durch ihre steinige Behausung bestens vor Stürmen und vulkanischer Aktivität geschützt. Ihre Höhlen beherbergen noch heute Bewohner, die sich für ein einfaches Leben abseits der Städte entschieden haben. Sie haben ihre Felsgrotten  mit Fassaden, Antennen und Solarmodulen aufgewertet und erreichen ihr Heim nur durch eine Wanderpartie durch bunte Sträucher und Kakteen. 

Eine Schnitzeljagd auf 'Cuevas' durch die Wüste

Eine größere Nachbarschaft von einzelnen Höhlen findet man im Malpaís de Güímar. Die Wüstenlandschaft im Süden der Insel streckt sich bis zum Meer. In der Ruhe der steinigen Isolation stolpert man hier und da über  kleine und mittelgroße Höhlen, in die Fenster und Regale eingehauen wurden. Manchmal findet man die Überreste des letzten, moderneren Bewohners, in Form einer alten Matratze, Kleidung oder einer Holztür im Eingang.

Güímar selbst ist eine der ältesten Gemeinden der Insel und zeugt von vergangenen Zeiten. Im Zentrum findet man die Pyramiden der Kanaren: eine rituelle Struktur der Ureinwohner, die schon viele Anthropologen zum Rätseln brachte. Mit einem Museumsbesuch verbunden lernt man mehr über die einst fast vergessene Kultur der Guanchen und das Leben auf den Inseln vor der Eroberung. 

Bei Montaña Grande in Richtung Puertito de Güímar befindet sich die Sehenswürdigkeit Cueva Honda, die sich bis zur Küste zieht und durch einige malerische Wanderwege erreicht werden kann. 

Ein Pilgerpfad zur Wallfahrtshöhle

Der erste Heilige, der auf Teneriffa geboren wurde, nannte sich Pedro de San José Betancur. In seiner Jugend half er seinen Eltern mit dem Vieh, indem er die Herde bis zum höchsten Dorf der Insel trieb: Vilaflor. Auf dem Weg nutzte er eine Höhle nahe El Médano, um sich zu auszuruhen und zu beten. Heutzutage nennt man sie Cueva del hermano Pedro und sie ist einer der wichtigsten Wallfahrtsorte der Insel. 

Nach seiner Jugend auf Teneriffa wanderte Bruder Pedro nach Guatemala aus, wo er als Missionär für Krankenhäuser, Gefängnisse, Arbeitslose, Sklaven und Arme heiliggesprochen wurde. Nun gehen zu seinem Ehrentag viele Gläubige den Weg, den er damals mit seiner Herde lief, um beim dortigen Höhlenschrein zu beten.

Eine Grotte aus Schnee und Eis

Eine ganz besondere Höhle findet man auf dem Teide: die Cueva del Hielo. Der Lavatunnel im noch aktiven Vulkan behält selbst im Sommer eine kühle Temparatur, weshalb sie ständig mit Eiszäpfchen und Schnee verziert ist. Vor vielen Jahren verübten dort die 'Neveros' ihre Arbeit: Sie ernteten das Eis aus der Höhle und brachten es nach La Orotava im Norden der Insel, um Speiseeis daraus zu machen und Fieberkranke zu kühlen. 

Nicht weit von der Berghütte Altavista entfernt ist die Eishöhle durch eine Leiter zugänglich und sorgt für eine sommerliche Abkühlung.

Die Höhle des Windes

Die größte Höhle Teneriffas und zudem längste Lavahöhle Europas ist die Cueva del Viento, über die wir bereits ausführlich berichtet haben.

Unsere Can Do Kollegen in einem Höhlenrestaurant

Einige Höhlen auf der Kanareninsel können ohne abenteuerliche Wanderungen erkundet werden. Viele Felsgrotten wurden zu Restaurants und Ferienwohnungen konvertiert und bieten einen Blick in die einstige Wohnsituation der Guanchen. Ausschau halten sollte man nach den Begriffen 'Tasca La Cueva' und 'Guachinche La Cueva', die einen schnell Höhlenrestaurants mit meist ursprünglicher, kanarischer Küche finden lassen. Höhlenwohnungen für einen besonderen Urlaub findet man sogar auf Airbnb.

-Isabelle Wiermann

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